Quartiersentwicklung Bülser Alm, Gelsenkirchen
Städtebauliches Qualifizierungsverfahren zur Bülser Alm in Gelsenkirchen
Mehrfachbeauftragung 2025
2. Rang
Plangebiet: ca. 4,6 ha
Wohneinheiten: ca. 171
Verbindung
Durch die Konversion der Sporteinrichtungen und die Ausbildung eines gestalteten Ortsrands
gelingt es im südlichen Teil von Bülse mehr Öffentlichkeit, Zusammenhang und nachbarschaftliche
Identität zu stiften. Den Schlüssel dazu liefern neue Wegeverbindungen mit attraktiven Knotenpunkten als
gestaltete Freiräume und einer Bebauung, die sich selbstverständlich einfügt, aber auch markante
Zeichen setzt. Die Gliederung des Quartiers wurde in Abstimmung mit dem Freiraum entwickelt.
Grundlage sind die bestehenden und noch herzustellenden Grünverbindungen, die Frischluft von West
nach Ost ins Quartier bringen. Sie liegen südlich der der bestehenden Tennishalle und südlich des
ehemaligen Sportplatzes Bülser Alm.
Struktur
Die bauliche Struktur des Quartiers zeichnet sich nicht nur durch eine hohe Durchlässigkeit aus,
sondern, sondern auch durch die Ausbildung von aneignungsfähigen Freiräumen mit der Zielsetzung das
nachbarschaftliche Miteinander zu fördern. Aufgrund der unterschiedlichen Situationen vor Ort erfolgt
die Ausbildung der Freiräume in differenzierter Weise und stellt darüber Vielfalt ohne Beliebigkeit her. Es
handelt sich bei der Umwandlung der beiden Sportflächen um Anger, die durch eine hofartige Bebauung
räumlich gefasst werden. Im Unterschied dazu erfolgt die Ausbildung des öffentlichen Freiraums am
Ortsrand nach dem Prinzip der Offenheit. Eine einseitige Bebauung mit Punkthäusern unterstützt die
Linearität und die Ausrichtung auf die benachbarten Landschaftsflächen.
Urbanität
Die baulichen Ergänzungen Bülses zeichnen sich insgesamt durch eine wohldosierte Urbanität
aus, welche die Komponenten Freiraumbezug, Gemeinschaft, typologische Vielfalt, Adressbildung und
Vernetzung miteinander verknüpfen und hieraus eine unverwechselbare Identität entwickeln.
Geschossigkeiten und Dachformen orientieren sich an der unmittelbaren Nachbarschaft. Eine maßvoll
höhere Geschossigkeit wird lediglich am nordwestlichen Ortsrand vorgeschlagen, wo kein bestehendes
Gegenüber existiert, um Punkthäuser im Geschosswohnungsbau wirtschaftlich realisieren zu können, die
den öffentlichen Charakter des Orts unterstreichen.
Nutzung
Neben der Vielfalt unterschiedlicher Wohnformen vom Eigenheim bis zum geförderten
Wohnungsbau sieht das Konzept im Zentralbereich des neu gestalteten Ortsrands eine integrierte Kita mit
entsprechendem Außenspielbereich vor. Unweit dieses Standorts wird am westlichen „Dorfplatz“ ein
Nachbarschaftstreff im Erdgeschoss des solitär herausgedrehten Baukörpers vorgeschlagen, dessen
Höhenentwicklung mit 5 Geschossen diese Besonderheit unterstreicht.
Mobilität
Mit der Zielsetzung eines autoarmen Quartiers erfolgt die Organisation des ruhenden Verkehrs
in gebündelter Form. In jeder der 3 Teilflächen wird eine Quartiersgarage als Parkscheune angeboten. Die
Garagen können bis auf wenige Kurzzeitstellplätze den gesamten ruhenden Verkehr des neu zu
erstellenden Wohnungsbaus aufnehmen. Sollten die Flächen am Ortsrand zeitlich vor der Fläche der
Tennishalle entwickelt werden, müssten die Eigenheime in Ortsrandlage wie dargestellt oberirdisch
zugeordnete Stellplätze erhalten. Bei einer konsequenten Entwicklung von Ost nach West ließe sich ein
Teil der Stellplätze der Punkthäuser in der nördlichen Parkscheune unterbringen, sodass die Stellplätze
der südwestlichen Eigenheime in der westlichen Parkscheune zu verorten wären. Neben der
Busanbindung setzt das Verkehrskonzept auf ein feinmaschiges Nahmobilitätsnetz im Quartier. Flächen
für Räder und Lastenräder befinden sich vor oder zum Teil überdeckt neben den Gebäuden sowie über
eigene Fahrradrampen erreichbar im Untergeschoss.
Freiraum
Neben den erhaltenen und einschl. der vorhandenen Baumsubstanz in Wert gesetzten
Grünflächen entlang der Zweckeler Straße, der Endemannstraße und nördlich des Forstwegs, setzt das
Freiraumkonzept auf platzartig mit Bänken gestaltete Knotenpunkte des Wegenetzes und auf Anger,
welche die Mitte der neuen Nachbarschaften bilden. Mit integrierten Spiel- und Freizeitangeboten
werden diese zum Treffpunkt für alle Bewohnenden. Viele Freiflächen sind nicht nur multifunktional
nutzbar, sondern bewusst multicodiert gestaltet als Grün- und Retentionsfläche, als Aufenthalts- und
Spielfläche und als Habitat für Flora und Fauna. Das gesamte Quartier wird mit Bäumen und weiterer
Bepflanzung stark durchgrünt und schafft damit einen attraktiven Wohnstandort in Gelsenkirchen.