Dreieck Späthsfelde, Berlin

planerische Qualifizierung im Rahmen einer Mehrfachbeauftragung.

Ein Projekt in Arbeitsgemeinschaft mit:
studio erde.
orange edge

Mehrfachbeauftragung 2025

Plangebiet: ca. 100,6 ha

Wohneinheiten: ca. 2.142

Gewerbefläche: ca. 22,1 ha

Ansatz aus dem Vorgefundenen

Im Winkel der Kanäle herrschte seit ihrer Realisierung zu Beginn des 20.
Jahrhunderts ein geringerer Entwicklungsdruck als bei vergleichbar zentralen Lagen, vor allem während der Zeit der Mauer, deren Streifen sich zweiseitig um das Gelände legte. Hier erhielten sich verschiedene Formen der Landwirtschaft, für die es in vergleichbarer Zentralität kaum mehr Möglichkeiten gab. Dazu gehört auch die bereits seit 1864 auf den Britzer Wiesen ansässige Späthsche Baumschule. Im Kontext entstanden Kleingärten für Selbstversorger. Für die Späthsche Baumschule bot sich hier für lange Zeit eine ideale Situation. Der Ansatz deckt Spuren aller Zeit- und Transformationsschichten auf, um darauf ein strukturelles Konzept aufzubauen. Dazu zählt der Umgang mit den morphologischen Verwerfungen des Kanalbaus, der die Zeitgeschichte zugänglich macht sowie das Lesbarmachen historischer Kulturlandschaften. Im Bereich der neuen Quartiere organisieren vielfach bestehende Flur- und Wegestrukturen nun die städtebauliche Entwicklung, indem neue Promenaden oder Quartiersstraßen diesem Verlauf folgen.

 

Methodik der Collage

Späthsfelde ist ein Stadtteil im Entstehen, dessen Identität sich aus vielfältigen Schichten und Geschichten speist. Aus der tiefen geologischen Zeit, der Geschichte des Kanalbaus und der Berliner Mauer als prägendem Saum sowie der historischen Späthschen Baumschule, die das Gebiet
landschaftlich und kulturell geformt hat. Diese Dimensionen ließen sich im ersten Schritt nach der Methodik einer Collage miteinander verschränken, um eine Entwicklungsperspektive mit großer Offenheit zu erzeugen. Das Konzept versteht die Transformation dieser ehemaligen Berliner Randzone als Chance, produktive, inklusive und klimafeste Lebensräume zu schaffen, die eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft schlagen. Späthsfelde wird so zu einem Modellquartier an der Schwelle zur Metropolregion. Kern ist ein trichterförmiges Gerüst in dem Baufelder und landschaftliche Freiräume gleichwertig als resiliente Struktur zusammengeführt werden. Unterschiedliche Maßstäbe und Strukturen des Ortes werden nicht eingeebnet, sondern sichtbar gehalten oder in ihrer Sichtbarkeit verstärkt. So entsteht eine heterogene, lebendige Collage-City, die ihre Geschichte weiterschreibt und neue Nutzungsmischungen und Typologien hervorbringt. Die Landschaft wirkt dabei als Motor derTransformation. Sie liest vorhandene Einschreibungen, Fragmente und Spuren und setzt sie in Beziehung. Historische Wege, Kanäle, Böschungen und Gärten werden über Freiraumsetzungen verwoben, sodass ein räumliches und funktionales Netzwerk entsteht. Diese Haltung versteht Landschaft nicht nur als Kulisse, sondern als aktiven Akteur, der Verknüpfung.

 

Die Baumschule als Keimzelle

Die Baumschule bildet dabei die ökologische und kulturelle DNA des Quartiers. Sie liefert die Grundlage für eine produktive, klimaresiliente und gemeinschaftsorientierte Stadtlandschaft, die Stadt und Natur eng miteinander verwebt. So entstehen Freiräume, die zugleich Erholungsraum,
Biodiversitätsreservoir und Nutzfläche sind – Orte des Miteinanders, der Selbstversorgung und des Wassermanagements. Das neue Baumschulquartier verbindet dabei historische Bewässerungsstrukturen mit koproduktiv entwickelten städtebaulichen Typologien. Das Fragmentarische wird hier zur Qualität: Bestehendes bleibt erhalten und wird durch gezielte Setzungen ergänzt, die Vielfalt und Aneignung ermöglichen. Entwicklung bedeutet in Späthsfelde Verflechtung statt Ersatz. Neue Wohn- und Arbeitsformen verbinden sich mit kooperativen und solidarischen Nutzungen, die Identität stiften und Resilienz fördern. Vorhandene Kleingärten werden soweit möglich bewahrt oder neu interpretiert – als kollektive Freiraumtypologien innerhalb produktiver Landschaftsparks oder auf Dachflächen.

 

Resilienz durch Lernfähigkeit

Ein wesentlicher Bestandteil ist zudem die lokale Kreislaufwirtschaft: Energie, Wasser und Biomasse zirkulieren vor Ort und prägen das Quartier sichtbar als neue Stadtbausteine. Sowohl Gewerbe als auch Wohnen werden hier neu gedacht – als Teil einer Schwammstadt mit direktem Zugriff auf
das örtlich anfallende Wasser z.B. für die urbane Landwirtschaft. Späthsfelde begreift Stadtentwicklung konsequent mehr-als-menschlich: Tiere sind hier Mitbewohner. Trittsteine, Lebensräume und Rückzugsorte machen das Quartier zu einem Teil eines größeren ökologischen Netzes.Nicht zuletzt versteht sich Späthsfelde als lernendes Quartier, das in enger Zusammenarbeit mit Anwohnenden, Initiativen und lokalen Akteuren entsteht. Es wird so zum Modell für ko-produzierte Stadträume im Anthropozän – mit einer Strahlkraft, die weit über den Standort hinausreicht.

 

Stadtlandschaft weiterbauen

Die Textur der bestehenden Landschaft wird durch den Entwurf verdichtet und spannungsreicher gestaltet. Sie bietet dabei den Bewohnenden, den dort Arbeitenden sowie allen, die den Freiraum zwischen Britz, Baumschulenweg und Schöneweide in der Freizeit besuchen, viele neue Plätze für
Erholung, Naturerfahrung, Sport unter freiem Himmel und abwechslungsreiche Spaziergänge. Dabei kommt der Diversität der räumlichen Konfiguration eine besondere Bedeutung zu. Neben dem unmittelbaren Aufeinandertreffen von zum Teil verdichteter Stadt und offener Landschaft entstehen vielfältige Kombinationen räumlicher Strukturen. Die abwechslungsreiche Verknüpfung von Neubaustrukturen unterschiedlicher Dichte, den bestehenden Siedlungsstrukturen, der landwirtschaftlichen Flächen, der neuen Gartenlandschaft und der intensiv nutzbaren Freizeitlandschaft führt zu einer Multikodierung mit unverwechselbaren Stadträumen im Berliner Südosten.

 

Vernetzung und Gliederung

Der Entwurf setzt gleichwohl auf kompakte urbane Quartiere und einen sensiblen Umgang mit der bestehenden Kulturlandschaft, wie auf eine möglichst enge Verzahnung beider Kategorien. Infrastruktur und Bebauung werden behutsam integriert und stehen in Beziehung zu den erhaltenen oder transformierten Landschaftsstrukturen. Die Vernetzung erfolgt über Frei- und Landschaftsräume, welche zur Gliederung und Ordnung der städtebaulichen Einheiten beitragen. Der Landschaftsbezug ist prägend für den Entwurf und stellt die Grundlage für die zukünftige Identität Späthsfeldes dar, welches sich aus dem Baumschulquartier im Süden, dem Werksquartier im Nordwesten und von Kleingärten geprägten Freiraumstrukturen zusammensetzt. Beim Baumschulquartier handelt es sich um ein gemischtes Quartier an der Späthstraße mit dem Schwerpunkt Wohnen unter Einbeziehung der Siedlung X. Nordwestlich davon schließt sich am Autobahnanschluss das Werksquartier als gemischtes Gewerbegebiet an. Zur Verknüpfung untereinander, der ernetzung mit der Umgebung und der inneren Gliederung werden 3 verschiedene landschaftliche Freiräume vorgeschlagen.

 

Produktive Freiräume

Der Werkpark bildet auf der Ostseite des Werksquartiers einen Puffer zwischen der Gewerbenutzung und den zu erhaltenden Kleingärten. Er setzt sich weit nach Süden bis in das Baumschulquartier hinein fort und übernimmt dort nicht nur eine Pufferfunktion zwischen Siedlung X und der westlich gelegenen Neubebauung, sondern stellt eine attraktive Freiraumverbindung vom zentralen Quartiersplatz zum Britzer Verbindungskanal her. Der Werkpark enthält Gemeinschaftsgärten und weitere alternative Produktionsflächen zu klassischen Kleingärten, sodass hierzu ein nahtloser Übergang hergestellt
wird. Ebenso produktiv stellt sich die Garten-Allmende um das Herzstück der Baumschule als Parc Agricole dar. Dort werden im Sinne des Gemeinwohls Obst und Gemüse angebaut. Ergänzend dazu bieten integrierte Kleingärten klassische Möglichkeiten für Selbstversorger. Weniger konkret und vordergründig bietet das den gesamten Stadtteil umgebende Biotopmosaik als dritter landschaftlicher Freiraum vor allem Nahrung für Vögel, Amphibien und Insekten. Hier steht die ökologische Funktion im Vordergrund, wenn es auch als grüner Rückzugsort für die Menschen eine wichtige Funktion erfüllt. Die vorgeschlagene Landschaftsstruktur wird als robustes netzartiges Gerüst verstanden, das die städtebaulichen Baufelder zusammenhält und identitätsstiftende Orte schafft. Prägnante Freiraumstrukturen bilden eine durchgängige Sequenz, die spezifische Atmosphären und Nutzungen anbietet. Sie vernetzen Quartiere, stärken ökologische Trittsteine und machen Stoffkreisläufe räumlich erfahrbar.

 

Baumschulquartier

Im Baumschulquartier wird das Konzept der Verknüpfung von Stadt und Landschaft so konsequent wie möglich umgesetzt. Alle bestehenden Achsen, Richtungen und Fluchten werden ergänzt bzw. verlängert und auf den zentralen Platz im Süden geführt. Es handelt sich um die Jubiläumsallee, die
Späthstraße und den Werkpark. Dort treffen nicht nur verschiedene formelle Prinzipien aufeinander, sondern ebenso unterschiedliche Funktionen: Nahversorgung, Gastronomie, diverse Wohnformen und Schule mit einer zum Bürgerhaus ausgebauten Sporthalle. Es ist der diverseste, öffentlichste und damit urbanste Ort des gesamten Stadtteils, obschon der dort vorgeschlagene Kulturhain auch eine grüne Widmung mit sich bringt, ohne im Widerspruch zur Urbanität zu stehen. Hier kommen alle Stränge gebündelt zusammen. Es ist eine Mitte am Rand, wie man sie sich vom Charakter nicht konsequenter und als adäquates Angebot nicht geeigneter für die Bewohnenden der Siedlung X vorstellen kann. Durch die Anbindung an einen attraktiven ÖV, die Schaffung von sozialer Infrastruktur und vielfältiger Nahversorgung wird eine hervorragende Grundlage für eine nachhaltige Daseinsfürsorge für Alle geschaffen.

 

Werksquartier

Das Werksquartier besteht primär aus diversen Ansiedlungen produzierenden Gewerbes und produktionsnahen Dienstleistungen, verfügt im Übergang zum Baumschulquartier aber auch über Wohn- und Mischnutzung. Der Schwerpunkt des Werksquartiers liegt nördlich der Haupterschließung, welche die für die gewerbliche Nutzung wichtige Anbindung an die Autobahn herstellt. Im Zentrum liegt ein Platz mit einem Maker Space als Solitär. Ein Zukunftshain wirkt nicht nur dem Hitzestress durch klimaangepasste Gehölze entgegen, er unterstreicht vor allem den Anspruch, der hier an Innovation gestellt wird und versteht sich selbst als Labor. Um den Platz versammeln sich verschiedene Angebote derMittagsgastronomie sowie ein Hotel. Die aus dem Baumschulquartier resultierende Erschließungsachse wir in das Werksquartier fortgeführt und sorgt für eine ideale Adressbildung.

 

Plätze mit Hain

Insgesamt wird ein einfaches stadträumliches Gerüst mit Plätzen entlang der beiden Zentralachsen angeboten. Alle Plätze verfügen über einen Hain als durchgängiges Motiv, wodurch die Tradition der Späthschen Baumschule nachhaltig mit der Identität des neuen Stadtteils verbunden wird. Die jeweilige Ausprägung wechselt und unterstreicht die Besonderheit des Ortes. Nach dem Zukunftshain im Werksquartier folgt der Pappelhain im Bestand an der Schnittstelle zum Baumschulquatier. Im Treffpunkt der beiden Zentralachsen im Süden folgt der Kulturhain neben der zum Bürgerhaus mit Musikschule, VHS, Bibliothek etc. ausgebauten Sporthalle der Gemeinschaftsschule. Den östlichen Abschluss der Platzkette bildet der Markthain im Kernbereich der Späthschen Baumschule, dessen Charakter die geschichtliche Entwicklung der zum Teil unter Denkmalschutz stehenden Strukturen unterstreichen soll. Durch diese verwobenen Freiraumtypologien entsteht ein Spannungsfeld von dichter Stadt, produktiver Landschaft und offenen Rückzugsräumen – eine Collage, die die Eigenart Späthsfeldes lesbar hält und weiterentwickelt.

 

Nahmobilität

Wesentliches Element der inneren Erschließung sind autofreie Wegeverbindungen. Es werden im Stadtteil zwei landschaftlich gestaltete Promenaden angeboten - unterschiedlich in der Charakteristik und Aufenthaltsqualität, wie in der Nutzungsgeschwindigkeit. Es handelt sich einerseits um die Jubiläumsallee, welche als Zentralachse das östliche Baumschulquartier erschließt und andererseits um den immer wieder verschwenkenden Weg im Werkspark zur Erschließung der nördlichen und westlichen Quartiersbereiche. Die Promenaden verstehen sich als Orte des Austauschs, der Aktivität und des Verweilens mit unterschiedlichen Ausprägungen, welche dem Leben in den Quartieren eine Besonderheit verleihen. Sie verknüpfen alle Nachbarschaften miteinander und binden darüber ganz selbstverständlich soziale Infrastruktur und Nahversorgung ein.

 

Rad-Potential

Rad und E-Bike können in Späthsfelde eine fast gleich schnelle Alternative zum Auto auf Strecken bis 10 km sein. Um dieses Potential optimal nutzen zu können, wird neben der bereits geplanten Fahrradtrasse über den Britzer Verbindungskanal mit Anbindung an Neukölln im Bereich der Kanalverzweigung eine Querung des Teltowkanals als attraktive Radverbindung in den Britzer Norden vorgeschlagen. Mit den Kanalquerungen im Nordwesten, dem Ligusterweg im Süden und dem Baumschulenweg im Nordosten sind die äußeren Verknüpfungspunkte definiert, welche durch ein inneres Radwegesystem angesteuert werden. Klug durchdachte Radabstellanlagen vor jeder Haustür werden Rad und E-Bike zum schnellsten, sichersten und attraktivsten Verkehrsmittel im Stadtteil machen. So wird ein wesentlicher Beitrag zur Reduzierung motorisierter Kurzstreckenfahrten geleistet. Aktive und nachhaltige Mobilität wird gesichert, selbst dann, wenn die geplante Tram-Verbindung erst mittelfristig realisiert werden kann.

 

Öffentlicher Verkehr

Die primäre Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz erfolgt über die neue Trambahntrasse. Die Trasse erhält im Osten eine Anbindung an das Berliner S-Bahnnetz und wird über den Bogen der Späthstraße in Richtung Westen nach Britz mit Anbindung an den U-Bahnhof Blaschkoallee geführt. Im neuen Stadtteil werden 3 Haltepunkte vorgesehen. Im schmalen Profil der alten Späthstraße werden die Fugen der Schienen mit Gummieinlagen verschlossen, um die Verkehrssicherheit auf diesem durch Mehrfachnutzung geprägten Abschnitt zu erhöhen, wobei sich der MIV-Verkehr in dem Bereich stark reduzieren wird. Ergänzend verkehrt ein kleiner autonomer Shuttle-Bus im Stadtteil und sorgt für eine lückenlose Abdeckung der Nachbarschaften.

 

Motorisierter Individualverkehr

Der MIV wird in einem stark hierarchisierten System durch den Stadtteil geführt. Ein wesentliches Element der Vorrangschaltung des öffentlichen Verkehrs und der Reduktion des MIV liegt in der Konzentration aller Stellplätze in Quartiersgaragen. Hier besteht für die Bewohnenden und Mitarbeitenden der Gewerbebetriebe nicht nur die Möglichkeit zur Unterbringung ihrer Fahrzeuge, sondern es handelt sich auch um CarSharing-Standorte mit einem breiten Angebot vom Transporter bis zum Sportwagen. Darüber hinaus werden Fahrrad- und Packstationen integriert und Ladestationen für E-Autos und E-Bikes vorgehalten. Um die Landschaft und die Grünzüge so wenig wie möglich zu stören, erhält der neue Stadtteil nur wenige Zufahrten von außen.

 

Klimaneutralität

Der neue Stadtteil reagiert auf die veränderten Lebensbedingungen durch den Klimawandel und hat gleichzeitig zum Ziel, klimaneutral zu sein. Das Konzept greift die Herausforderungen der Energiewende im urbanen Raum auf und zielt auf eine sektorenübergreifende Vernetzung der Gebäude- und
Mobilitätsinfrastruktur. Ziel ist das „Smarte Quartier“, das eine effiziente Energieversorgung und einen ressourcenschonenden Umgang mit Baumaterialien beinhaltet. Hierzu werden möglichst viele Neubauten des Stadtquartiers in Hybrid- oder Holzbauweise realisiert oder ausgestaltet, sodass in Zukunft flexibel auf mögliche Nutzungsänderungen baulich reagiert werden kann. Die vorgeschlagene Bebauung besteht aus kompakten Gebäudetypen, die mit kleinem Oberflächen-/Volumenverhältnis niedrige Baukosten und geringe Energieverbräuche erwarten lassen.

 

Stoffkreisläufe

Der Entwurf versteht das Quartier als Teil eines zirkulären Systems. Durch die Neuordnung von Infrastruktur entsteht die Möglichkeit, Stoffströme – Wasser, Energie, Biomasse und Material – lokal zu schließen und sichtbar zu machen. Regenwasser wird in einem offenen grün-blauen System gesammelt,
gereinigt und für Bewässerung und Kühlung genutzt. Kompostinseln und Gemeinschaftsgärten wandeln organische Abfälle in fruchtbaren Boden um, der wiederum die produktiven Flächen nährt. Energie wird dezentral erzeugt, gespeichert und in den Mobility-Hubs sowie für die Nachbarschaften verfügbar gemacht. Auch Baumaterialien werden in Kreisläufen gedacht: Rückbau und Wiederverwendung vorhandener Substanzen tragen zur Ressourcenschonung bei und schreiben die Materialgeschichte des Ortes fort. So wird Späthsfelde zu einem lernenden Quartier, das Stoffkreisläufe nicht nur technisch optimiert, sondern sie auch im Alltag der Bewohnenden erlebbar macht – als Teil einer produktiven Stadtlandschaft, die Resilienz, Teilhabe und Klimaschutz vereint.

 

Energie

Für einen effektiven Beitrag zum Klimaschutz werden alle Dachflächen konsequent mit Photovoltaikanlagen ausgestattet. Die erforderlichen Retentionsqualitäten werden durch eine Kombination mit intensiver Begrünung oder der Nutzung von Mäanderplatten bzw. samenfreiem Substrat erreicht. Bei freistehenden Südlagen sollen auch Fassaden zur Stromproduktion herangezogen werden. Der lokal erzeugte Solarstrom wird z.B. blockweise im Rahmen von Mieterstromprojekten zur Deckung des elektrischen Strombedarfs verwendet. In Energiezentralen erzeugen mit Bio- oder Deponiegas aus Schwarzwasser (Vakuumtoiletten) betriebene Blockheizkraftwerke zusätzlichen Strom. Der lokal erzeugte Strom (PV, BHKW) soll über ein quartiersübergreifendes Energiemanagementsystem für die Gebäude und für die Mobility-Hubs nutzbar gemacht werden. Energiespeicher in den Mobility-Hubs sorgen für eine hohe Stromeigenversorgung und genügend Leistung für die E-Mobil-Ladeinfrastruktur. Stromüberschüsse aus erneuerbaren Energien sollen in Standorten innerhalb der Gewerbestreifen zur Wasserstoff-Herstellung in einem Elektrolyseur genutzt werden. Grüner Wasserstoff steht als emissionsfreier Treibstoff für die Buslinien zur Verfügung oder kann durch Wasserstoff-Tankstellen auch für den Individualverkehr zugänglich gemacht werden.

 

Regenwasser

Das anfallende Regenwasser wird in den Quartieren vollständig über ein multicodiertes, grünblaues System genutzt. Retentionsdächer, Rigolen und offene Kanäle bilden eine zusammenhängende Infrastruktur, die das Wasser sammelt, zwischenspeichert und zeitverzögert abgibt. Ein besonderer Fokus liegt auf der Kopplung von Dachflächen und der produktiven Allmende: Das dort gesammelte Wasser wird über neu codierte, landschaftlich gestaltete Beregnungsanlagen den gemeinschaftlichen Produktionsflächen zugeführt. So entsteht ein Kreislauf, der nicht nur funktional, sondern auch räumlich und atmosphärisch prägend ist – Wasserinszenierungen, Rinnen und Kanäle strukturieren die Freiräume, schaffen Orientierung und erlebte Kühlung. Ziel ist es, das gesamte Regenwassersystem nicht nur technisch effizient, sondern auch sichtbar, nutzbar und erlebbar zu gestalten: als Element der Freiraumgestaltung, als Ressource für urbane Landwirtschaft und als identitätsstiftendes Motiv für ein klimaresilientes Quartier.

Städtebau


 Quartiersentwicklung Bülser Alm, Gelsenkirchen

Wohnpark Ost, Nördlingen

Blankenburger Süden, Berlin

Fernmeldezeugamt, Heusenstamm

Ideenwerkstatt Münchner Norden

Modellquartier 1, Münster

Kreuzlinger Feld, Germering

Neue Stadtquartiere, Ludwigshafen

Wissenscampus PTB Braunschweig

Ostfeld, Wiesbaden

Nördlich Wimpfener Straße, Düsseldorf

Zwischen Janup und Löhrstraße, Herford

Heiterblick-Süd, Leipzig

Werthviertel Neuwied

Neue Perspektiven für Lörick, Düsseldorf

Münchner Nordosten

Quartier am Fischbergele, Göppingen

Wohnen in guter Nachbarschaft, Hofsingelding Süd

Alter Leipziger Bahnhof, Dresden

Quartiersentwicklung Weihersberg, Stein

Gartenschau 2029, Vaihingen an der Enz

Nördlich Osttor, Münster-Hiltrup

Quartiersentwicklung Reichenhalden, Empfingen

Biotechnologie-Campus, Mainz

Baugebietsentwicklung Kalverdonk, Meerbusch

Stadtquartier Nierstein, Jülich

Quartiersentwicklung Stapfel West, Balingen

Fennpfuhler Tor, Berlin

Gewerbliche Entwicklung Flughafen Essen-Mülheim

Lange Rekesweg, Göttingen

Dreilingsweg München

Nägelesee-Nord, Gundelfingen

Itterhöfe Hilden

Kardelquartier, Baienfurt

Allgäuer Tor Memmingen

Gesamtschule Nord+, Kassel

Quartier Mühlbachäcker, Tübingen

Schönefeld-Nord

Wohnquartier am Medienberg, Mainz

Rauher Kapf West, Böblingen

Steinbruch Nord, Beckum

Bahnhofspark Stuttgart-Zuffenhausen

Möhl-Areal, Köln-Dellbrück

Malerviertel III, Dormagen

Köln-Kreuzfeld: 4 Quartiere – ein Veedel

Niersenbrucher Höfe, Kamp-Lintfort

Tobias-Mayer-Quartier, Esslingen

Am Sandhaus, Berlin-Buch

Breewiese Marl

Metro-Campus Düsseldorf