Wohnpark Ost, Nördlingen
Städtebaulicher und landschaftsplanerischer Planungswettbewerb „Wohnpark Ost“ in Nördlingen
Landschaftsarchitektur: OTTL.LA
Wettbewerb 2025
Plangebiet: ca. 59,8 ha
Gliederung + Kontextbezug
Der Entwurf sieht eine kompakte wie integrative bauliche Struktur vor, welche
den Osten Nördlingens selbstverständlich ergänzt und baulich vervollständigt. Zugleich folgt der Entwurf mit der programmatischen Bezeichnung Wohnpark der Zielsetzung eines stark durchgrünten und von
Landschaftselementen geprägten Quartiers. Ein Parkband tritt als signifikantes Gliederungeselement in
Erscheinung. Es bindet im Nordwesten an den bestehenden Spiel- und Bolzplatz an, der für die mit
öffentlichen Grünflächen unterversorgten Bestandsquartiere gut erreichbar ist. Das Parkband verlängert
diesen Freiraum zunächst nach Süden bis er auf der Höhe des Vorplatzes der neuen Schule nach Osten
verschwenkt, um am östlichen Ende wieder die Verbindung zur offenen Landschaft herzustellen. Der
Schulcampus übernimmt dabei die Funktion eines Gelenks, zumal hier eine weitere Anbindung ans
Wemdinger Viertel vorgeschlagen wird. Neben dem Parkband ergänzen eher schmal gehaltene
Grünkorridore das Freiraumgerüst. Sie teilen das neue Quartier in überschaubare Einheiten und sorgen
zugleich für eine optimale Vernetzung mit den übergeordneten Freiräumen.
Struktur + Typologien
Auf der Höhe der Goethestraße wird das Wemdinger Viertel mit dem Wohnpark Süd weitergebaut und die Goethestraße in ihrer Straßenführung zu einer Schlaufe ergänzt. Es handelt sich um ein überschaubares Baufeld im 1. Bauabschnitt, dessen Realisierung kurzfristig möglich ist. Ein zweiter Teil des ersten Bauabschnitts lässt sich unabhängig davon im Norden über eine Baustraße von der Riomer Straße realisieren. Somit bleiben im Osten bis zur Realisierung weiterer Baufelder im zweiten Bauabschnitt einschl. der nördlichen Gewerbeflächen großzügige Flächen für die Landwirtschaft erhalten. Die bauliche Struktur setzt sich bei allen Wohnbaufeldern primär aus einem Verbund von kleinteiligen Höfen zusammen, womit beim Wohnungsbau der Aspekt des gemeinschaftlichen Wohnens gefördert wird. Durchgesteckte Treppenhäuser sorgen für eine aktive nachbarschaftliche Nutzung der Hofinnenbereiche. Die Mischung der verschiedenen Wohntypologien, Eigentumsformen und Finanzierungsmodelle erfolgt innerhalb der Höfe, womit eine soziale Segregation vermieden werden kann. Durch die verschiedenen Ausrichtungen, Typologien und Zuschnitte erhält jeder Hof einen individuellen charakter.
Identität + Urbanität
Die typologische Diversität erzeugt hinsichtlich der Geschossigkeit ein Spektrum von II – V, wobei sich die fünfgeschossige Bebauung auf einzelne Punkte an Plätzen beschränkt. Jeder der beiden vorgeschlagenen Wohnbaufinger verfügt entsprechend seiner Dualität von zwei Baufeldern über einen inneren und einen nach außen gerichteten Nachbarschaftsplatz. Die inneren Plätze fungieren als Knotenpunkte des Alltags und werden in ihrer räumlich-urbanen Disposition durch aktivierte Erdgeschosszonen mit gewerblichen oder gemeinwohlorientierten Nutzungen unterstützt. Die nach außen gerichteten Plätze öffnen sich zu den übergeordneten Freiräumen und man erlebt die Urbanität des Platzes kombiniert mit der Weite des landschaftlichen Zusammenhangs als Treffpunkt am Abend oder am Wochenende. Das neue Quartier zeichnet sich insgesamt durch eine wohldosierte Urbanität aus, welche die Komponenten Landschaftsbezug, Gemeinschaft, typologische Vielfalt, Adressbildung und Vernetzung miteinander verknüpft und hieraus eine unverwechselbare Identität entwickelt.
Mobilität + ruhender Verkehr
Der Entwurf schlägt neben der südwestlichen Anbindung von der Christian-Ewig-Straße eine Zufahrt von der Wemdinger Straße aus vor, welche auch zur Erschließung der Gewerbeflächen im Norden dient. Auf eine MIV-Anbindung an die Riomer Straße wird zugunsten einer Priorisierung des Fuß- und Radverkehrs an dieser Stelle verzichtet. Eine temporäre Lösung als Baustraße oder zur Erschließung des Nordfingers vor Fertigstellung der Anbindung an die Wemdiger Straße ist hier jedoch denkbar. Der Verzicht auf eine vollwertige Anbindung an die Riomer Straße wird u.a. durch die Schleifenlösung der Goethestraße ermöglicht, sodass Engpässe vermieden werden können. Neben einer Busanbindung setzt das Verkehrskonzept auf privilegierte Car-sharing-Parkplätze mit Ladestationen und Abstellflächen für Lastenräder und E-Bikes in kleinteiligen Quartiersgaragen (Parkscheunen), welche alle privaten Stellplätze und einen Teil der öffentlichen Stellplätze aufnehmen. Es werden im Außenraum lediglich öffentliche Kurzzeitparkplätze eingerichtet, welche vor allem Pflege- und Liefer-Diensten dienen. Für Fußgänger und Radfahrer wird ein dichtes Nahmobilitätsnetz mit optimalen Anschlüssen an die Bestandsgebiete und die Landschaftsräume angeboten. Flächen für Räder und Lastenräder befinden sich vor den Gebäuden sowie über eigene Fahrradrampen erreichbar im Untergeschoss.
Freiräume
Die bauliche Gestalt des Quartiers wird durch eine Struktur differenziert gestalteter Grünräume gegliedert, welche die einzelnen Siedlungsflächen miteinander vernetzen und das neue Quartier in das übergeordnete Freiraum- und Landschaftsgefüge einbinden. Formelle wie informelle Wegebeziehungen des Bestands werden aufgegriffen und in die Grünkorridore eingeflochten. So entsteht ein eng verknüpftes Netz kurzer Wege für Fußgänger und Radfahrer. Baumneupflanzungen mit Baumsolitären gliedern das naturnah gestaltete Parkband. Die zur Vernetzung angegliederten grünen Fugen sind entsprechend ihrer Lage und Ausrichtung unterschiedlich belegt und integrieren Retentions- und Spielflächen. Unterschiedlich gestaltete Plätze bieten sowohl Bewegungs- und Spielmöglichkeiten als auch ruhige Bereiche zum Verweilen. Als Freiraumelemente werden hier Tischtennisplatten, Pergolen, zahlreiche Bänke, Hocker, Bücherregale, Trinkbrunnen usw. angeboten. Die Innenhöfe werden individuell gestaltet und bieten vielfältige Möglichkeiten zum Spielen und Verweilen mit viel Schatten.