rheinflügel severin

Nördliche Wallhalbinsel, Lübeck

Das Wallhafen Quartier

Mit der Entwicklung des Geländes der ehemaligen Hafenanlage auf der nördlichen Wallhalbinsel zu einem neuen Stadtquartier wandelt sich ein bedeutender Teil Lübecks. Die Lübecker Innenstadt wird ergänzt, ohne das spezifische Altstadtmuster zu reproduzieren. So ist das Wallhafen-Quartier eine bewusst eigenständige Entwicklung, die sich am Maßstab des Ortes orientiert. Lang gezogene Speichergebäude prägen diesseits und jenseits des Hansahafens den weitläufigen Stadtraum am Wasser. Entstehen soll ein Stück Stadt zum Wohnen und Arbeiten, geprägt durch angemessene städtische Dichte, einer ausgeprägten räumlichen Wirkung und einer hohen Wertigkeit der öffentlichen Freiräume.

Die besondere Lagegunst des Quartiers am Wasser wird optimal genutzt und als räumliche Qualität herausgearbeitet. Eine großzügige Uferpromenade verläuft entlang der historischen Kaikante. Focus sind drei Plätze am Wasser. Der „Gelenkplatz“ im Norden, die „Große Aussicht“ als Abschluss der Halbinsel im Osten sowie das „Lübecker Fester“ im Süden. Die Plätze haben als gemeinsames Thema einen regelmäßigen Baumhain, der räumlich wirksam die Freiräume weithin sichtbar markiert und das neue Quartier in unterschiedliche Teilräume gliedert. Während der Gelenkplatz im Norden als grüner Gartenplatz Möglichkeiten für das wohnungsnahe Kinderspiel bietet, öffnet sich das Lübecker Fenster mit seiner langen Seite auf die historische Altstadt. Unter dem lichten Baumschatten wird die Außenbestuhlung der angrenzenden Gastronomien angeordnet. Der Ort mit Blick über den Hansahafen und das Panorama der als Weltkulturerbe ausgezeichneten Altstadtkulisse von Lübeck bildet einen weithin wirksamen Anziehungspunkt. Vorgelagerte Holzterrassen führen den Flaneur direkt ans Wasser, Sitzstufen laden zum Verweilen ein. Die Spitze der Wallhalbinsel schiebt sich wie ein Schiffsbug ins Wasser und offeriert einen dreiseitig von Wasser umgebenen Platz, der in seiner exponierten Lage den Höhepunkt der umlaufenden Promenade darstellt. Ein Sonderbaukörper gibt Aussicht auf den Teil der Trave, der als Verbindung zur Ostsee, Ausgangspunkt für die weltweiten Beziehungen der Stadt ist. Der skulpturale Körper thematisiert die Spitze der Wallhalbinsel als Grenze der realen Erfahrung und macht sie damit zum Ort von Fiktion und Sehnsucht. Im Innern befindet sich ein kleiner Veranstaltungssaal mit Gastronomie als zusätzlichem Anziehungspunkt.

Die drei Plätze am Wasser stellen über ihre hohe Aufenthaltsqualität nicht nur einen Mehrwert für die Öffentlichkeit dar, sondern tragen darüber hinaus wesentlich zur Adressbildung der anliegenden Gebäude bei. Die Platzierung der 7- bis 9-geschossigen Hochpunkte unterstützt dieses Prinzip, zumal sie jeweils in Zuordnung zu den größeren Freiflächen erfolgt. Neben den 3 Plätzen am Wasser sind durch die versetzte Anordnung der Gebäude informelle Aufweitungen entlang der inneren Erschließungsachse entstanden. Das Versetzen vermischt die Nutzungen von Wohnen und Gewerbe und schafft einen Rhythmus im Sinne einer unverwechselbaren typologischen Ordnung. Die großen Abmessungen der baulichen Einheiten lehnen sich an den Maßstab des Ortes an und tragen einer wirtschaftlichen Garagenorganisation Rechnung . Hingegen ist die innere Struktur der Wohnkomplexe betont kleinteilig.

Die hier entstehenden Außenräume sind einerseits Teil des Öffentlichen, andererseits bilden sie die privaten und halböffentlichen Räume für die Bewohner, vergleichbar mit denen eines klassischen städtischen Blocks. So ergibt sich eine horizontale Verschiebung der konventionellen Schichtung, der „Blockinnenraum“ wird Teil der Landschaft – wird ein  „innerer Außenraum". Die halböffentlichen internen Gassen in den Baukörpern bieten eine sehr urbane Wohnsituation, die Gärten auf den Sockelzonen, Loggien und Dächern, neben kleinen Hausgärten, vermitteln ein Bild des grünen Wohnens in der Stadt. Dieses Innen und Außen vermeidet eine bauliche Differenzierung im Sinne von Vorder- und Rückseite, von Altstadt und Roddenkoppel und stärkt so auch die Möglichkeit einer flexiblen Entwicklung des Quartiers in Bauabschnitten. Die Wohnungsbautypologie erzeugt in ihrer inneren Variationsoffenheit der Grundrisse vielfältige Wohnformen – eigentumsorientiert als auch zur Miete. Diese Offenheit gibt die planerische Sicherheit für eine zielgerichtete als auch marktorientierte Entwicklung des Wallhafen-Quartiers in Lübeck.

Entwicklung eines gemischten Quartiers für Wohnen und Arbeiten auf der Fläche eine ehemaligen Hafenanlage

Plangebiet 62.750 qm
Überbaute Grundfläche 19.750 qm
BGF 92.500 qm

Ein Projekt in Arbeitsgemeinschaft mit relais Landschaftsarchitekten, Berlin

Entwurfsgutachten 2008
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