rheinflügel severin

Europan 6 - Dominopolis
Standort Mönchengladbach-Nordpark
Ein Spiel als Strategie für den Städtebau bezieht im Gegensatz zu einem Bild die vierte Dimension ein und macht sie zum konstituierenden Merkmal des Entwurfs. Stadt gestalten heißt, unterschiedliche zukünftige Zustände zu antizipieren, ohne sie zugleich festzulegen – ein Prozess also, der potentielle Entwicklungen ermöglichen soll, ohne sie einer a priori festgelegten Formvorstellung zu unterwerfen.
Innerhalb des Territoriums werden nach Bedarf Dominosteine gelegt, welche entsprechend der Regel von Kohärenz und Differenz eine polyvalente Art der Konsistenz ermöglichen. Dafür werden offene geometrische Systeme entwickelt. Sie bilden nicht nur die formbildende Matrix des Projekts, sondern spannen ein Beziehungsgeflecht auf, das in seiner räumlichen Vielfalt zur Bildung urbaner Identität beitragen kann. Urbanität versteht sich hier als diskontinuierlicher Fluss, als Transformationsprozess von sozialen, ökonomischen, architektonischen etc. Kräften, innerhalb derer die Stadt eine temporäre, diagrammatische Manifestation des Urbanen ist.
Die Übersetzung von Stein und Zahl in Architektur ermöglicht eine differenzierte Baukörpertypologie. Jeder der vorgeschlagenen Typen besteht aus mindestens zwei Schichten. Dabei ist die unterste Schicht, die entweder fremde oder dienende Funktionen aufnimmt, als eingeschossiges Plateau zu verstehen. Sie vermittelt zwischen Landschaft, Städtebau und Architektur indem sie deren Grenzen verwischt. Die begrünte Oberseite dieser Schicht ist nicht nur zugleich der Garten der darüberliegenden Wohnbebauung, sondern auch der Grund dieser in Figur oder Struktur ausgeführten Nutzung. Dieses Figur/Struktur-Grund-Verhältnis bezeichnet die  Ebenen zwischen der privaten Wohnung, dem halböffentlichen Garten-Plateau und der öffentlichen Straße.
Folgt man den Regeln des Dominospiels, gleich in welchem Maßstab, stellt man fest, dass große Flächen frei bleiben. Es sind unbestimmte Restflächen, die im Städtebau häufig bewusst vermieden werden. Hier sind sie erwünscht, da sie zum bestimmten System des Dominospiels in Kontrast treten. Für das ehemals militärisch genutzte Gelände bietet sich an, diese Flächen aufzulassen. Erhaltene Fundamente, Bodenplatten oder kleine Bunker könnten als Rudimente erhalten bleiben, ohne sie unter Schutz zu stellen. Ziel ist ein wilder, ungestalteter Landschaftspark, dessen Wege nach Trampelpfaden angelegt werden.
Entwurf eines Wohnquartiers als Ergänzung zu großmaßstäblichen Sport- und Freizeiteinrichtungen
auf einer Konversionsfläche

Plangebiet 150.000 qm
davon 30.000 qm als Europan-Wettbewerbsgebiet

Wettbewerb 2000/01
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