rheinflügel severin

Campus Dessau
Die Leitidee dieses Entwurfs respektiert und unterstützt die Heteronomie des weit verzweigten Wettbewerbsgebietes. Gezielte Eingriffe sollen vor allem dort erfolgen, wo die Analyse Konflikte oder aber ungenutzte Potentiale deutlich werden ließ. Daraus resultieren zwei gestalterische Schwerpunkte, die aufgrund der gegebenen Voraussetzungen zu einer differenzierten Gesamtlösung geführt haben:

- Umfeld Bauhaus (einschl. Gropiusallee 34 und Bauhausplatz)

- Verknüpfungsbereich Seminarplatz




Umfeld Bauhaus

Der Außenraum des Bauhauses soll über einen längeren Zeitraum nachhaltig entwickelt werden. Grundsätzlich lassen sich kurzfristig zu realisierende Maßnahmen von langfristigen Entwicklungszielen unterscheiden:

2006
- Bauhaus
Alle bestehenden Gebäude bleiben zunächst erhalten. Jedoch werden der Flachbau, die Modelltischlerei und wenn möglich die Häuser Hardenbergstraße 29 und 30 um eine Efeuberankung auf dunkelgrünem Grund ergänzt. Die unmittelbaren Außenanlagen dieser Gebäude werden hierzu analog mit Boden deckendem Efeu bepflanzt. Somit ergibt sich für das Bauhausgebäude ein ruhiger grüner Hintergrund mit weichen Konturen. Die direkt an das Bauhaus grenzenden Freiflächen werden entsprechend der denkmalpflegerischen Zielstellung rekonstruiert. Hierbei muss kein Widerspruch zur temporären Nutzung des Asphaltbelags der Straße durch das Bauhauscafe entstehen. Ganz im Gegenteil macht gerade dies den spezifischen Reiz dieses Cafes aus, dessen Mobiliar außerhalb der Öffnungszeiten und während der kalten Jahreszeit in einem Nebenraum gelagert werden soll. Von analogem temporären Charakter ist die kaum wahrnehmbare Gestaltung der Wiese hinter dem Nordflügel als Parkplatz. Rasenwabenmatten aus grünem Kunststoff befestigen die gesamte etwas tiefer liegende Wiese und ermöglichen im Regelfall Stellplätze für 45 Pkw. Fehlende Markierungen garantieren wechselnde Standorte der parkenden Fahrzeuge und somit den Erhalt der homogenen Erscheinung dieser Vegetationsfläche. Ein weiterer Vorteil liegt in dem Potential
zu einer kurzfristig erzielbaren höheren Auslastung (max. 100 Stellplätze) bei größeren Veranstaltungen.
- Gropiusalle 34 (Ideenteil)
Die Unterbringung der Bibliothek, des Archivs, einer Ausstellungsfläche und eines Veranstaltungssaales ist im Gebäude Gropiusallee 34 vorübergehend möglich, stellt aber dauerhaft keine angemessene Lösung dar. Der Umnutzungsvorschlag basiert folglich auf den weit gehenden Erhalt aller tragenden Substanz sowie auch weiterer Bauteile. Äußerlich verändert sich das Gebäude nur durch die Berankung des eingeschossigen Anbaus.
- Bauhausplatz
Der Bauhausplatz erhält eine Bepflanzung mit schnell wachsenden Pioniergehölzen: außen Kiefern, innen Birken. Der mit Birken besetzte mandelförmige Kern dient als Platzhalter für eine spätere Bebauung.

2026 – 100 Jahre Bauhaus Dessau
- Bauhaus
Die in der Übergangszeit mit Efeu berankten Gebäude sollen langfristig einer vollständigen Rekonstruktion der Außenanlagen des Bauhauses weichen. Diese Entwicklung kann sukzessive erfolgen. Die Einbeziehung der Gebäude Hardenbergstraße 29 und 30 ist wünschenswert, aber nicht Voraussetzung für das Gelingen dieses Projekts. Die zunächst auf der Wiese hinter dem Nordflügel realisierten Stellplätze sollten nach Abriss des Flachbaus und der Modelltischlerei in einer Tiefgarage unter dem Sportplatz des Bauhauses vorgesehen werden. Die hinter dem Gebäude Gropiusallee 34 geplante Zufahrtsrampe wird verkehrstechnisch günstig über die Liebknechtstraße erschlossen.
- Gropiusallee 34 (Ideenteil)
Vom Gebäudekomplex der ehemaligen Kaufhalle ist architektonisch wie stadträumlich nur das Ursprungsbauwerk erhaltenswert. Hier ließen sich langfristig z. B. Nebennutzungen eingliedern, die momentan im Flachbau oder in der Modelltischlerei untergebracht sind.
- Bauhausplatz
Der vorab mit Birken bepflanzte Kern des Bauhausplatzes bietet nun die Flächenreserve für eine hochwertige Hochschulnutzung als Abschluss der Campusachse „Bauhausstraße“. Sinnvoll wäre ein zentrales Gebäude für die zunächst in der ehemaligen Kaufhalle unterzubringenden Funktionen.


Verknüpfungsbereich Seminarplatz

Der Seminarplatz erhält als Zentrum des Dessauer Hochschulcampus durch eine abgehobene Betonscheibe ein signifikantes Gestaltungselement. Die kreisförmigen Ausschnitte perforieren unter Berücksichtung der vorhandenen Bäume dieses Element zu einem großformatigen Sitzmöbel. Die Oberfläche der aus weißem Ortbeton ohne Fugen herzustellenden Platte ist leicht angeschliffen. Sie wird durch die Neonbeleuchtung im Astwerk erhellt. Der „Klub“ – im kleinsten Maßstab, eine durch Studenten betriebene Kaffeebar – versteht sich als erster Partizipient dieses spezifischen Ortes, dessen formale Prägung ein großes Maß an Autonomie beansprucht. Dennoch spielen die äußere Form der Platte wie auch die Stellung des „Klubs“ mit den Richtungen der den Platz umgebenden Straßen und Gebäude. Hierbei kommt den beiden Hauptrichtungen, der Bauhausstraße und der Schwabestraße eine besondere Bedeutung zu.
Gestaltung des Bauhausplatzes, der Bauhausstraße und des Seminarplatzes einschließlich der Außenanlagen des Bauhauses

ein Projekt in Zusammenarbeit mit Georg Verhas, Seb Koberstädt und Martin Pfeifle

Wettbewerb 2004/05
5. Preis
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