rheinflügel severin

Haus für eine Deutschlehrerin, Orsoy





Die Bebauung des Grundstücks in einem Neubaugebiet war gebunden an einen Bebauungsplan mit weit reichenden gestalterischen Festsetzungen: geneigte Dächer, gestalterische Anpassung der Garagen an den Hauptbaukörper, vollständige Begrünung aller fensterlosen Fassaden, Berankung der Gesamtfassadenfläche zu mind. 33 Prozent.

Ausgangspunkt des Entwurfs war die volle Ausnutzung des Baufensters mit einem über Dach und Wand berankten Walmdachtypus, orientiert an Goethes Gartenhaus in Weimar. Diese, zunächst nur romantische Aussage, wurde durch das Durchschneiden, Verschieben und Skalieren spielerisch verfremdet. Der hierdurch entstandene Hof ist das eigentliche Zentrum dieses introvertierten Hauses, dessen Fassaden eine Umkehrung vollzogen haben. Die grüne Außenseite – zunächst Platzhalter und später Hintergrund für eine vollständige Berankung - versteht sich eher als Rückseite. Fenster und Dachflächenfenster folgen in Proportion und Dimension schlichtweg den Bedürfnissen des Innern. Satellitenschüssel, Sonnenkollektoren und Abluftröhren zeugen mit gleichem Verständnis von ihrer funktionalen Notwendigkeit. Hingegen verfügt der (Hinter-)Hof über eine fast klassisch weiße Fassade mit 7 gleich großen französischen Fenstern. Die weiße Fassade signalisiert neben dem formalen Prinzip „Schnittfläche“ vor allem einen privaten Raum, der nur klimatisch ein Außenraum ist.

Bei aller Abgeschirmtheit und formaler Differenz zu seinen Nachbarn ist das „Haus für eine Deutschlehrerin“ nun selbst ein Teil dieses Neubaugebiets. Es könnte gar nicht woanders gebaut werden, als an einem solch nahezu austauschbaren Ort.







weitere Texte:
„Ruinöses in Suburbia“, Rudolf Stegers
„Zwischen Innen und Außen“, Interview build
Neubau eines Einfamilienhauses
Bauherr: Eichhorn/Schrapers

Nutzfläche incl. Keller 220 qm
BRI incl. Keller 939 cbm
Grundfläche 162 qm
Grundstücksfläche 436 qm
GRZ 0,37 GFZ 0,74

Gartengestaltung Kerstin von Klein

Fertigstellung 2002

ausgestellt 2004, Architekturbiennale
Venedig, Deutscher Pavillon

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