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Heinrich-Heine-Haus, Düsseldorf
Die Einrichtung versteht sich als öffentliches Haus der Literatur. Es verbindet folgende drei Institutionen zu einer komplexen Einheit:

Das Heinrich-Heine-Institut bearbeitet, sammelt, archiviert und konserviert den Nachlass Heinrich Heines, einschließlich aller historischen und zeitgenössischen Abhandlungen, die sich auf Heine beziehen.
Das Literaturbüro NRW vermittelt Autoren und veranstaltet Lesungen im Großraum Nord-Rhein-Westfalen.
Das Literaturhaus Düsseldorf organisiert den Veranstaltungsbetrieb in den beiden Sälen des Heinrich-Heine-Hauses.

Eine Literaturbuchhandlung und diverse Gastronomieangebote ergänzen das Haus funktional.


Die Adresse an der Einmündung der Heinrich-Heine-Allee in den Heinrich-Heine-Platz ist die Schnittstelle der vier zentralen Stadtviertel von Düsseldorf. Im Osten liegt die Innenstadt mit der Königsallee, im Süden das Bankenviertel, im Südwesten die Karlstadt und im Nordwesten die Altstadt. Der Heinrich-Heine-Platz ist nicht zuletzt dank des U-Bahn-Knotens der öffentlichste Ort der Stadt.

Das Haus erscheint als scharfkantiger aber doch unscharfer Baukörper. Erst beim näheren Herantreten bemerkt man die Autonomie einer vorgelagerten Fassade, die das Haus wie mit einem Kleid verhüllt. Der sich stets wiederholende Schriftzug kennzeichnet das Haus in seiner Funktion für jeden, der seinen Blick für kurze Zeit fokussiert. In der Fläche betrachtet, verschmilzt die Schrift zu einem romantisch inspirierten Ornament. Es setzt sich, gleich der Schleppe eines langen Kleids, auf dem Boden fort. Es „beschreibt“ die Fläche des eigentümlichen Baukörpers, dessen Typologie dem Prinzip eines Eisbergs folgt. 61,5% des Gebäudevolumens verbergen sich im Untergrund. Nur dort bot sich Raum für das Veranstaltungzentrum, mit direktem Zugang zur U-Bahn sowie zu zwei großen Kaufhäusern incl. Garagen.

Das Carsch-Haus selbst diente als Vorlage für dieses typologische Prinzip. Hier ist das Verhältnis von unterirdischem zu oberirdischem Volumen noch gravierender. Dieser Typus resultiert aus dem restlosen ausfüllen aller unterirdischen Flächen, die vom oberirdischen Baukörper erschlossen werden können. Es ist vergleichbar mit dem Ausgießen einer Hohlform. Beim Heinrich-Heine-Haus wird diese Vorgehensweise von der 2. Dimension des Grundrisses in die 3. Dimension des gesamten Baukörpers erweitert. Die einzelnen Gebäudeteile sind so hoch, wie es die Abstandsflächen zulassen. Dies führt neben der Verzahnung des Hauses mit seiner Umgebung, zur Ähnlichkeit von Grundriss und Schnitt.
Entwurf eines Literaturhauses am Heinrich-Heine-Platz in Düsseldorf
im Auftrag der Initiative Düsseldorf -
Stadt der Künste

1999

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